Historischer Verein für die Saargegend               gegründet 1839

Pressemitteilung des Landesverbandes Historisch-Kultureller Vereine des Saarlandes und des Historischen Vereins fĂĽr die Saargegend 14. Oktober 2018

 

Neues Licht auf die „Franzosenzeit“

Der Historiker Dr. Johannes Schmitt ist tot – Er erforschte die Auswirkungen der Französischen Revolution an der Saar und schlug Brücken zwischen Wissenschaft und Heimatforschung

   Als „einen Pionier der saarländischen Geschichtsforschung“ und „einen BrĂĽckenbauer zwischen Wissenschaft und Heimatforschung“ haben die beiden groĂźen Geschichtsverbände des Saarlandes ihren langjährigen Vorsitzenden Dr. Johannes Schmitt gewĂĽrdigt. Der Historiker aus Schmelz, der durch zahlreiche BĂĽcher und Aufsätze bekannt wurde, war am vergangenen Donnerstag (11. Oktober) im Alter von 75 Jahren verstorben. „Wir trauern um einen Experten, der durch die ErschlieĂźung neuer Dokumente die so genannte Franzosenzeit an der Saar, insbesondere die Epoche der Französischen Revolution und deren Auswirkungen auf unsere Region, in ein völlig neues Licht gestellt hat“, heiĂźt es in einer Erklärung des Historischen Vereins fĂĽr die Saargegend (HV) und des Landesverbandes der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes (LHV). „In den vergangenen Jahrzehnten ist ein neues, detailliertes, von nationalistischen Vorurteilen gereinigtes Bild der Saargeschichte erarbeitet worden, und an diesen BemĂĽhungen hatte Dr. Johannes Schmitt als Autor und Herausgeber einen wichtigen Anteil.“ AuĂźerdem habe der Verstorbene in langfristigem Zusammenwirken mit anderen auch der Arbeit der Geschichtsvereine im Saarland wichtige Impulse gegeben, heiĂźt es weiter in der Erklärung der beiden Verbände. 

   Dr. Johannes Schmitt war von 2004 bis 2009 Vorsitzender des traditionsreichen Historischen Vereins fĂĽr die Saargegend. Als solcher war er im November 2004 an der GrĂĽndung des Landesverbandes der historisch-kulturellen Vereine (LHV) beteiligt und fĂĽhrte auch diese Organisation, der heute 55 Geschichts- und Heimatkundevereine aus allen Teilen des Saarlandes angehören, knapp zehn Jahre lang. Im Jahr 2005 war der Historiker auch eine der treibenden Kräfte hinter der GrĂĽndung der von beiden Verbänden herausgegebenen historischen Zeitschrift „saargeschichte/n“, die er als „Flaggschiff der saarländischen Geschichtskultur“ bezeichnete.

   Dr. Johannes Schmitt stammte aus HĂĽttersdorf (Gemeinde Schmelz) und war als Gymnasiallehrer in Lebach tätig. AuĂźerdem nahm er Lehraufträge an der Universität des Saarlandes wahr. Seine besondere Verbundenheit zur Ortsgeschichte kam auch darin zum Ausdruck, dass er 25 Jahre lang, von der GrĂĽndung 1987 bis zum Jahr 2012,  den Historischen Verein Schmelz als Vorsitzender leitete und auch auf dieser Ebene durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen hervortrat. AuĂźerdem betreute er ĂĽber etliche Jahre als Redakteur die Zeitschrift fĂĽr die Geschichte der Saargegend.

   Sein weiteres Schaffen, insbesondere seine Forschungen ĂĽber die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Saar-Region, fand weithin Beachtung. Erst durch seine Veröffentlichungen erfuhr ein breiteres Publikum bestimmte Einzelheiten ĂĽber jenes turbulente Jahrzehnt zwischen 1789 und 1799, in dem nicht nur Saarlouis, sondern auch das Schaumberger Land zum revolutionären Frankreich gehörte. Auf Antrag von Bewohnern wurde im Februar 1793 die Gegend um Tholey, Schmelz eingeschlossen, vom Konvent in Paris eingegliedert. Auch in Saar-Dörfern wurden damals Freiheitsbäume gepflanzt.

   Eine wichtige Publikation aus der Werkstatt von Dr. Johannes Schmitt war auch der Band „Das Saarland – Geschichte einer Region“, den er 2012 gemeinsam mit Dr. Hans-Christian Herrmann, dem Leiter des Stadtarchivs SaarbrĂĽcken, im Auftrag des Historischen Vereins fĂĽr die Saargegend herausgab. Zu den Themen, mit denen er sich kontinuierlich beschäftigte, gehörten auch die Zeit des Nationalsozialismus und die Entwicklung der katholischen Kirche. Johannes Schmitt war unter anderem seit 1989 Mitherausgeber der fĂĽr das Bistum Trier konzipierten kritischen Zeitschrift „imprimatur“.

 

       
Geschäftsstelle:
Dudweilerstraße 1
66133 Saarbrücken
(Landesarchiv)
Fon: 0681 / 501-1922
Fax: 0681 / 501-1933
info@hvsaargegend.de

Öffnungszeiten:
Do 10 - 14 Uhr